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Newsletter Schulpsychologie und Schulentwicklung: November 2021


Erstellt von Staatliches Schulamt Ostthüringen

Gesundheitskonzept, Schutzkonzept, Förderkonzept - regelmäßig sind an Schulen Konzepte zu schreiben und regelmäßig fragt man sich: „Wie mache ich das jetzt wieder?“ Wir haben Ihnen in unserem aktuellen Newsletter kurz und knackig zusammengestellt, was in ein Konzept hineingehört und wie es erarbeitet werden kann, damit Sie von einer „Papierleiche“ hin zu einem gelebten Handlungsplan kommen.

Sie sehen ein Clipart zum Thema Konzept.
Bild: V. M.-O.

„Eine super Grundlage“ oder „Papier ist geduldig“? - Konzepte schreiben im Schulbereich

Ständig die Konzeptfrage - was ist das eigentlich und wofür der ganze Aufwand?

Ein Konzept ist der verschriftlichte Plan eines Vorhabens oder eines Projektes. Es kann

  • themenbezogenen Ziele und Vorgehen für alle Mitglieder der Schulgemeinde klären und beschreiben,

  • eine handlungsleitende Erleichterung in der täglichen Arbeit sein,

  • für neue oder abgeordnete Kolleg:innen oder Praktikant:innen Teil der Einarbeitungsinformationen sein,

  • als Teil einer positiven Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden,

  • ein Teil der Rechenschaftslegung gegenüber der Schulaufsicht sein.

Warum macht wer was mit wem für wen?

Im Wesentlichen sollten Sie vor dem Schreiben von schulinternen Konzepten - bestenfalls in einer kleinen Arbeitsgruppe von Interessierten und Motivierten - die folgenden Fragen beantworten, hinter denen jede Menge weitere Informationen stecken:

Warum?

Welche Werte haben Sie bei der Konzeptionierung im Fokus? Was leitet Sie in Ihren Zielen? Auf welchen gesetzlichen/ dienstlichen/ fachlichen Auftrag bezieht sich Ihr Vorhaben? Worum genau soll es gehen? Welcher schulinterne Bedarf ist ausschlaggebend?  Wie ist die schulische Ausgangssituation konkret und was sind die Ziele des Vorhabens?

Wer?

Wer sind die in Schule handelnden Akteur:innen in der Umsetzung des Konzeptes? Welche Personengruppen, Beteiligte der Schulleitung, konkrete Ansprechpartner:innen agieren? In welchen Rollen - wer trägt die Verantwortung, wer entscheidet, wer setzt um, wer berät fachlich, wer arbeitet zu, …?

Was?

In welche Teilziele und Teilschritte wollen Sie Ihr Vorhaben gliedern? Mit welchen Strategien wollen Sie Ihre Ziele umsetzen? Was genau sind die geplanten Maßnahmen, zu nutzende Methoden, Materialien und zu Ressourcen (sächlich, personell, räumlich, zeitlich, …)? Wie sieht der konkrete Zeitplan aus?

Mit wem?

Welche regionalen und überregionalen Kooperationspartner:innen wollen Sie einbinden - als Fachberater:innen, Prozessbegleiter:innen, Supervisorin:innen? Benötigt es Kooperationsverträge, Honorare, Kontrakte, das Schul- oder Hortbudget, etc.?

Für wen?

Wer konkret aus der Schulgemeinde hat einen Nutzen aus Ihrem Vorhaben? Wer ist die Zielgruppe? Was soll sich für sie jeweils verändern bzw. stabilisieren?

Achtung: Gibt es eigentlich auch Risiken oder negative Konsequenzen Ihres Vorhabens? Welche Hindernisse könnten auftreten? Was wäre dann wichtig oder machbar? Welcher Notfallplan existiert dann?

Wie lang sollte das Konzept sein?

Der Grundsatz ist: ein Konzept ist übersichtlich, leicht verständlich und kompakt. Die Länge des Konzeptes hängt natürlich etwas vom Umfang des Vorhabens ab. Drei bis zehn Seiten sind eine übliche Länge.

So geht die Gliederung

Haben Sie für Ihre Schule - bestenfalls in einem kleinen Steuergruppenteam - die oben genannten Fragen schon grob beantwortet, kann die Arbeit am schriftlichen Konzept beginnen. Das Schriftstück selbst besteht üblicherweise aus den folgenden Teilen:

1. Titel des Konzeptes

Der Titel ist natürlich der Name des Projektes, z.B. „Voll fit - Das Gesundheitskonzept der Schule XY“, „Sichere Schule - kein Raum für sexuelle Gewalt“, „Vielfalt und Entwicklung - unser schulinternes Förderkonzept“ o.ä. Ansprechend ist, wenn Ihr Konzept ein Deckblatt mit dem Titel und dem Schul- und/ oder Projektlogo inkl. Kontaktdaten hat. Vielleicht kann hier gleich ein kleiner schulinterner Kunst- oder Medienkundewettbewerb entstehen.

2. Einleitung

Fassen Sie hierfür alle Konzeptinhalte auf ca. einer halben Seite zusammen. Die Einleitung wird in der Regel zum Schluss ausformuliert.

3. Ausgangssituation

Hier beschreiben Sie die aktuelle Situation der Schule auf der Grundlage Ihres schulischen Wertekanons bzw. Leitbilds bezüglich Ihres Anliegens, Ihres Themas, Ihres Problems. Es ist üblich, auch konkrete Vorgaben, Zahlen oder Statistiken kurz zu beschreiben. Eine kleine Informationsrecherche zum anvisierten Thema lohnt sich.

4. Ziele

Achtung: Ihre Ziele sind nicht die zu beschreibenden Maßnahmen, sondern der Zustand, den Sie mit der Durchführung erreichen möchten. Beschreiben Sie die Ziele möglichst genau:

Spezifisch: Was genau soll der Endzustand sein?

Messbar: Woran werden Sie messen können, ob er erreicht ist?

Attraktiv: Wie können die Ziele positiv und motivierend formuliert sein?

Realistisch: Achten Sie auf Machbarkeit, planen Sie Unwägbarkeiten, das Überwinden von Hindernissen, Zeitpuffer, etc. ein.

Terminiert: Wann konkret soll das Ziel erreicht sein?

5. Zielgruppe

Wen genau wollen Sie erreichen und auf welcher Ebene (Familie, Einzelschüler:in, Klassen, Kollegium, Elternschaft; Einzelpersonen vs. Gruppen)? Sie können zwischen der direkten und der indirekten Zielgruppe unterscheiden. Organisieren Sie z.B. eine schulinterne Lehrerfortbildung zum Kinderschutz, sind die Kolleg:innen die direkte Zielgruppe. Die indirekte Zielgruppe sind die Schüler:innen.

6. Geplante Maßnahmen

Hier werden so konkret und kleinschrittig wie möglich und gut operationalisiert Ihre einzelnen Maßnahmen beschrieben.

7. Ressourcen

Hier beschreiben Sie zur Umsetzung benötigte zeitliche, räumliche, personelle und sächliche Ressourcen. Sinnvoll ist auch, über nötige Kompetenzen, Haltungen und nötiges Wissen nachzudenken. Schlussendlich benennen Sie konkrete Kooperationspartner:innen und Netzwerke.

8. Evaluation, Dokumentation, Perspektive

Wie werden Teilergebnisse dokumentiert? Wann und durch wen werden Sie regelmäßig geprüft und reflektiert? Gibt es eine Evaluation zur Qualitätssicherung des schulischen Vorhabens, Checklisten, Prüfkriterien? Wenn ja, in welcher Form? Wie erfolgt eine Endauswertung? Wie kann man regelmäßig Transparenz über den Prozessverlauf für alle Beteiligten schaffen? Wer berichtet wem? Und wann feiern Sie gebührend Ihre Erfolge und bieten Ihren Helfer:innen einen kleinen Dank?

Ein paar Tipps

  • Suchen Sie den Erfahrungsaustausch mit anderen Schulen und Experten:innen - kreative Lösungen, „Abgucken“ und gemeinsam Denken sind hier erwünscht!

  • Nutzen Sie Fachliteratur, Fachforen, Plattformen für Anregungen und Ideen, z.B. das Deutsche Schulportal. Viele Schulen haben im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit Konzepte online bereitgestellt. Auch hier kann man sich inspirieren lassen.

  • Über gemeinsame Dateien, z.B. in der Schulcloud, können mehrere Teammitglieder am gleichen Text arbeiten - immer dann, wenn der/ die Einzelne gerade Zeit hat. Dies erspart gemeinsame Terminfindungen und langwieriges Protokollschreiben.

  • Versuchen Sie doch mal ein Kanban-Board mit Moderationskarten auf einer Pinnwand im Lehrerzimmer. Hier sehen alle Beteiligten super gut den Projektfortschritt und können sich schnell beteiligen.

  • Prüfen Sie am Ende Ihr Schriftstück danach, wer Adressat des Konzeptes ist und ob der- bzw. diejenige/n Zielgruppe/n Ihre Ausführungen gut verstehen und nachvollziehen können. Suchen Sie sich bestenfalls 1-2 Testleser:innen.

Ein kleiner Exkurs:

Wussten Sie, dass das Konzept definitionsgemäß das Ergebnis einer gedanklichen und gesprochenen Konzeption ist?

Den gesamten Newsletter mit zahlreichen weiteren, empfehlenswerten Links finden Sie hier: 

Newsletter Nr. 18 Oktober 2021

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